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Barockexperten beim Stuttgarter Kammerorchester
Mit einem Konzert von Vivaldi bis Haydn zeigt das Stuttgarter Kammerorchester einmal mehr seine Begeisterung für die historisch informierte Aufführungspraxis – diesmal unter der Leitung des ausgewiesenen Barockexperten Michael Schneider und mit der Violinvirtuosin Ariadne Daskalakis.

Antonio Vivaldi (1678-1741), der im Alter von 25 Jahren zum Priester geweiht wurde, war in Venedig als „Il prete rosso“ wegen seiner roten Haare bekannt. Er komponierte fast 500 Konzerte für ein oder mehrere Soloinstrumente und Orchester und etablierte das dreisätzige Solokonzert als eine Hauptform des Hochbarocks.

L'Estro Armonico („Die harmonische Eingebung“) ist der Titel eines Zyklus von zwölf Konzerten für Violinen und Streichorchester, den Antonio Vivaldi 1711 veröffentlichte. Die Partitur ist durchweg achtstimmig notiert, für vier Violinen, zwei Violen, Violoncello und Continuo. Nach einem strengen Schema setzt das erste Konzert alle vier Violinen solistisch ein, das zweite zwei, das dritte nur die erste Violine - diese Folge wiederholt sich dann in den weiteren Konzerten. Die Tonarten der Konzerte wechseln zwischen Dur und Moll ab.

Johann Sebastian Bach war in nahezu allen musikalischen Gattungen zu Hause, wobei seine vokalen geistlichen Werke meistens im Fokus stehen. Im rein instrumentalen Bereich sind es in erster Linie die Werke für Tasteninstrumente, die wir mit seinem Namen verbinden.

Vier Orchestersuiten sind von Johann Sebastian Bach erhalten (BWV 1066–1069), dabei handelt es sich jeweils um eine Folge von Tanzsätzen mit einer vorangestellten Ouvertüre. Auf den ersten Satz folgt eine freie Folge von Tänzen. Während die Einleitungssätze deutlich durch konzertante Elemente geprägt sind, stellen die Tanzsätze dann die Instrumentalgruppen meist in eher schlichter Weise einander gegenüber, insbesondere in der ersten und zweiten Suite.

Während seiner Köthener Zeit erwartete der musikbegeisterte Fürst Leopold von Anhalt-Köthen nur wenige kirchenmusikalische Kompositionen. Damit gab er seinem Leiter der Kammermusik am Hofe die Gelegenheit, musikalisch zu experimentieren. Entstanden ist dabei das Doppelkonzert für Violine, Oboe und Orchester BWV 1060 – allerdings in einer Fassung für zwei Cembali und Orchester.
Warum aus diesem Konzert eines für Violine und Oboe wurde, ist nicht sicher. Im Zusammenhang mit der werkgetreuen Überlieferung von Bachs Werken besteht keine endgültige Sicherheit.

Joseph Haydn gilt traditionell als „Vater“ der klassischen Sinfonie und des Streichquartetts, zumindest wird sein Einfluss bei der Sinfonie doch als vorherrschend eingeschätzt. Zu den in den frühen 1770er Jahren komponierten Sinfonien gehört auch die Nr. 43 Es-Dur „Merkur“, die man im Allgemeinen einer der „Sturm und Drang“- Periode zugerechneten Phase zuschreibt: Voller zackiger Akkorde, plötzlicher Übergänge und seltsamer Moll-Harmonien. In dieser Phase hatte sich Haydn schon stark von seinem musikalischen Vorbild Bach entfernt.


Die Ausführenden

Ariadne Daskalakis ist neben ihrem ausgewiesenen Expertentum in der historisch informierten Aufführungspraxis ebenso als Solistin des neuen Instrumentariums und der zeitgenössischen Musik bis in die Neuzeit aktiv. Diese Spannbreite ihres Repertoires und ihres Könnens stellte sie kürzlich mit einer gemeinsamen Einspielung mit dem Stuttgarter Kammerorchester (Vivaldi) unter Beweis und zeigt sie in diesem Konzert vorwiegend barocker Ausrichtung.

Die Amerikanerin mit griechischen Wurzeln entdeckte ihre Liebe zur Violine schon sehr früh, studierte an der Juilliard School bei Szymon Goldberg und später in Berlin bei Ilan Gronich und Thomas Brandis. Im Jahr 2000 wurde sie als jüngste Professorin für Violine an der Hochschule für Musik Köln berufen. Aktuelle Höhepunkte der solistischen Arbeit sind Violinkonzerte von Bach, Tartini, Mozart und Vivaldi mit der Akademie für Alte Musik, der Kammerakademie Potsdam, dem Kölner Kammerorchester, der Sinfonietta Köln sowie Aufnahmen mit der Kölner Akademie und dem Stuttgarter Kammerorchester. Daneben arbeitet sie mit ihrem Ensemble Vintage in Bereich der historisch informierten Alten Musik.

Michael Schneider gehört zu den profiliertesten Dirigenten im Bereich der Barockmusik und Frühklassik. Neben der Arbeit mit seinem eigenen Orchester La Stagione Frankfurt und seiner solistischen Tätigkeit als herausragender Flötist übernimmt er regelmäßig auch Opernproduktionen und Sinfoniekonzerte mit „modernen“ Klangkörpern. Professor Michael Schneider ist an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst  neben der Leitung einer Hauptfachklasse für Blockflöte für den gesamten Komplex der „Alten Musik“ verantwortlich. Im Laufe der Jahre entstand unter seiner Leitung eine der erfolgreichsten Ausbildungsstätten für Alte Musik in Europa.