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Kölner Kammerorchester
Das Kölner Kammerorchester wurde, als ältestes Kammerorchester Deutschlands, auf Initiative Hermann Abendroths im Jahr 1923 von Mitgliedern des Gürzenich-Orchesters und Lehrern des städtischen Konservatoriums gegründet –zu einer Zeit also, als man sich zwischen all der riesig besetzten symphonischen Literatur wieder daran machte, die alten Meister werkgerecht zu musizieren und so dem „Originalklang“ näher zu kommen. Die ersten Konzerte des Orchesters fanden im Rahmen des neu gegründeten Rheinischen Kammermusikfestes in den Jahren 1921 bis 1925 in Köln und Brühl unter der Leitung von Hermann Abendroth und Otto Klemperer statt. Als Abendroth Köln verließ, übernahm sein Schüler Erich Kraack 1935 das Ensemble und verlegte den Standort nach Leverkusen, wo er in den Kasino-Konzerten der Bayer AG den Ruf des Orchesters festigen und durch die Zusammenarbeit mit namhaften Solisten auch überregional verbreiten konnte.

1963 übergab Erick Kraack das inzwischen weit über die Region hinaus bekannt gewordene Ensemble an Helmut Müller-Brühl, der dem Kölner Kammerorchester als Hausorchester der von ihm gegründeten Brühler Schlosskonzerte in Schloss Augustusburg eine neue Wirkungsstätte und eine solide wirtschaftliche Basis gab. Unter seiner künstlerischen Leitung konzertierte das Kölner Kammerorchester bei internationalen Festspielen und unternahm zahlreiche Gastspielreisen durch viele Länder der Welt. So startete es mit dem Pianisten Wilhelm Kempff 1964 zu einer viel beachteten Gastspielreise in die Schweiz, die den Auftakt für die Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Solisten bildete, unter ihnen Maurice André, Frans Brüggen, Gaspar Cassadó, Jörg Demus, Christoph Eschenbach, Pierre Fournier, Patrick Gallois, Ingrid Haebler, Olli Mustonen, Igor Oistrach, Jean Pierre Rampal, Wolfgang Schneiderhan, Irmgard Seefried und Maria Stader.

Von 1976 bis 1986 musizierte die Barockformation des Ensembles unter dem Namen Capella Clementina ausschließlich auf historischen Instrumenten. Mit der Capella Clementina hat Helmut Müller-Brühl in den siebziger und achtziger Jahren in zahlreichen Konzerten, Opern- und Oratorienaufführungen Maßstäbe für die historische Aufführungspraxis und die Wiederbelebung barocken Musiktheaters gesetzt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen setzt er seit 1987 auf modernem Instrumentarium um. Mit dem Interpretationsansatz einer historisch informierten Aufführungspraxis und mit hochmotivierten, aus Meisterklassen hervorgegangenen Spielern mit „modernen“ Instrumenten schließt das Kölner Kammerorchester eine Lücke. Damit ist das Ensemble heute eines der wenigen, das nach den Prinzipien der historischen Aufführungspraxis auf traditionellen Instrumenten spielt und durch die Verknüpfung authentischer Spielweise mit den Erfordernissen moderner Konzertsäle eine besondere Stellung unter den modernen Kammerorchestern einnimmt. Helmut Müller-Brühl versucht der alten Textur möglichst nahe zu kommen. „Dabei“, erklärt er, „muss man beides berücksichtigen: die instrumentalen Vorgaben der Zeit und die Absichten der Komponisten. Ich versuche herauszufinden, wie die Musik seinerzeit auf die Zuhörer gewirkt hat, und eben diese Wirkung möchte ich auf das heutige Publikum ausüben. Dabei muss ich Rücksicht auf die modernen Konzertsäle nehmen, auf die heutigen Spiel- und Hörgewohnheiten.“ Das so erzielte Klangbild ist leichter, durchsichtiger, strukturueller als das eines modernen Sinfonieorchesters. Insofern sind die Interpretationen des Kölner Kammerorchesters durchaus modern, denn sie schließen sich nicht an die romantische Tradition an, sondern an die Spiel- und Empfindungsweise der Entstehungszeit. Über 200 Schallplatten- und CD-Aufnahmen sowie Rundfunk- und Fernsehproduktionen dokumentieren ein Repertoire von mehr als 500 Meisterwerken und unbekannten Kostbarkeiten. Seit 1995 sind Orchester und Dirigent dem weltweit präsenten CD-Label Naxos durch ein ständig wachsendes Repertoire barocker und klassischer Meisterwerke verbunden. Die seit 1988 in der Kölner Philharmonie aufgeführte Konzertreihe Das Meisterwerk entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Kölner Veranstaltungsreihen und konnte sich inzwischen auch in München und Paris etablieren.

Die Präsentation junger begabter Nachwuchsmusiker im Ensemble und als Solisten ist dem Kölner Kammerorchester seit Jahren ein ganz besonderes Anliegen. Viele heute berühmte Solisten – wie die Geiger Ulf Hölscher und Christoph Poppen, die Pianisten Christoph Eschenbach, Homero Francesch, Justus Frantz und Olli Mustonen, die Sängerinnen Christiane Oelze und Christine Schäfer, die Flötisten Patrick Gallois und Daniel Rothert oder der Klarinettist Paul Meyer – haben ihre ersten Erfolge an der Seite des Kölner Kammerorchesters unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl gefeiert.

Wie schon bei seiner Gründung rekrutiert sich das Orchester auch heute überwiegend aus Meisterschülern der Kölner und anderer deutscher Musikhochschulen. Die Solisten sind fast ausnahmslos junge hochbegabte und bereits arrivierte Musiker, die für eine historisch orientierte Aufführungspraxis offen sind und die sich durch den gemeinsamen Interpretationsansatz mit der Orchesterpraxis verbinden: Das Kölner Kammerorchester ist kein festes Ensemble. Im Durchschnitt bleiben die Musiker drei Jahre, bevor sie in ein symphonisches Orchester eintreten oder sich für eine Kammermusik- oder Lehrtätigkeit entscheiden. Einige der ehemaligen Orchestermitglieder sind zu den Berliner Philharmonikern gewechselt, wie etwa der Geiger Rainer Kussmaul, der zehn Jahre lang Konzertmeister des Kölner Kammerorchesters war. Kontinuität und Qualität der Orchesterarbeit erklären sich aus dem gemeinsamen Interpretationsansatz, der oft heftig diskutiert wird, aber immer hohe Zustimmung findet. Garant für die oft zitierte „eigene Handschrift“ des Kölner Kammerorchesters ist sein Dirigent: Helmut Müller-Brühl. Sein Umgang mit den jungen Musikern ist einerseits unerbittlich in den instrumentalen und stilistischen Anforderungen, andererseits freundschaftlich, mit behutsamen Anregungen im Hinblick auf das gemeinsame Ziel: „die nachschöpferische Wiedergabe eines Werkes möglichst eng mit den Vorstellungen des Komponisten zu verschmelzen“. Diese Identifikation fordert die Beschränkung auf ein begrenztes Repertoire und musikalische Vollkommenheit, denn nur „das unablässige Eindringen und das subtile Ausleuchten der Geheimnisse eines Werkes bringen die nachschöpferischen Musiker dem Komponisten nahe“.

1998 konnte das Kölner Kammerorchester auf sein 75-jähriges Bestehen zurückblicken.

Anläßlich des Bach-Jahres hat das Ensemble um Helmut Müller-Brühl die Neueinspielung des vollständigen Orchesterwerkes von Johann Sebastian Bach vorgelegt, die erstmals alle 35 Konzerte und Suiten der Gattung Orchesterwerke in den überlieferten Originalfassungen, den vom Komponisten selbst vorgenommenen Transkriptionen und neueren Rekonstruktionen verlorener Urformen auf CD versammelt.- eine Edition, die von der Fachpresse als „erfolgreichste Produktion des Bachjahres 2000“ (Financial Times) vielfach ausgezeichnet worden ist. Im Jahr 2001 wurde die Einspielung der Drei Darmstädter Ouvertüren von Telemann mit dem Cannes Classical Award 2001 in der Sparte Orchestermusik des 18. Jahrhunderts ausgezeichnet.

Nach zweijähriger Leitung des Kölner Kammerorchesters durch Christian Ludwig findet zur neuen Spielzeit ein Paradigmenwechsel statt: Das Ensemble bietet jetzt nicht nur jungen aufstrebenden Solisten ein Sprungbrett, sondern wird die einzelnen Konzerte auch von unterschiedlichen Dirigenten betreuen lassen. Somit kann sich das Publikum auf viele neue Bekanntschaften, Seh- und Hörerlebnisse einstellen.

Die Termine der Konzerte in der Spielzeit 2011/2012 finden Sie hier: www.merk-pr.de/termine

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